| Donnerstag,
20.Juni
Um 7.00 Uhr Morgens geht's los. Jörg mit seiner Ducati Monster
und ich mit der Guzzi T5. Noch scheint die Sonne, doch schon 50km
weiter in Bielefeld schrappen wir haarscharf an einer pechschwarzen
Gewitterwand vorbei, die uns auch noch bis weit hinter Paderborn
verfolgt. Das Tagesziel heisst Chieming am Chiemsee als erster Zwischenstopp.
In Bayern wird das Wetter immer besser und bei einem Stau vor Erlangen
beschliessen wir, die Autobahn zu verlassen und den Rest der Strecke
auf Landstrassen zu bewältigen. Da ich vor Jahren schon mal
eine Tour über Land zum Chiemsee ausgearbeitet hatte, kommt
das also nicht ungelegen und so geht es auf diversen Kreis- und
Landstrassen durch (auch durch´s Altmühltal) Richtung
Chieming. Auf dem Zeltplatz angekommen, braut sich auch schon das
nächste Unwetter aus Richtung Osten zusammen, also fix das
Zelt aufbauen. Der Platzwart dämpft unsere Eile, wir können
uns ruhig Zeit lassen, das Gewitter wäre jeden Abend da, käme
aber nie bis zum See. Recht hat er! Ist schon merkwürdig, Abends
mit Donner und Blitz im Biergarten zu sitzen. Die anderen Gäste
stört´s nicht und so ignorieren wir auch das Naturschauspiel.
Freitag,
21.Juni
Strahlend
blauer Himmel, vom Gewitter keine Spur mehr. Wir packen schnell
das Zelt zusammen und arbeiten uns dann beim Unterwirt in Chieming
durch das Frühstücksbuffet. Mit dieser guten Grundlage
geht es dann weiter über Reit im Winkel, Lofer, Saalfelden,
und Zell am See zum Gross Glockner.
Mit 17 Euro kein
ganz billiges Vergnügen, aber da das Wetter einfach traumhaft
ist und ich noch nie dort oben gewesen bin, gönnt man sich den
Spass halt. Die Aussichten und die Strecke sind nicht schlecht, aber
es gibt in den Alpen vergleichbare Pässe für nothing (ich
weiss schon, warum ich immer nach Italien fahre...). Während
der Abfahrt beschliessen wir, eine Pause an einer (normalen) Pommesbude
einzulegen - die teuerste Pause auf der ganzen Tour. Entweder verdienen
die Österreicher Unmengen von Geld oder sie verweigern sich den
Luxus einer Currywurst. In Lienz gibt es dann die einzige Dusche auf
der ganzen Tour in Form eines Gewitters über den Lienzer Dolomiten,
in Candido hinter der Grenze ist aber schon alles wieder vorbei. Von
hier geht's links ab Richtung Sesto (Sexten) und am Kreuzbergpass
verlassen wir den deutschsprachigen Teil Italiens.
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Hinter dem Zolvo-Pass
in Auronzo bei einer Cappuccino-Pause fallen uns die vielen gnadenlos
frisierten Kleinwagen auf, teilweise sogar mit Slicks und Lachgaseinspritzung.
Grund ist eine kleine Bergralley über den Zolvo-Pass am Samstag.
Da wird auch schon mal mal am Freitag Abend der Wagen ausprobiert
- unter den wohlwollenden Augen der Gesetzeshüter. Weiter über
Pieve di Cadore, den Passo di Cibiana und Forno fahren wir unserem
Tagesziel, dem Campingplatz Civetta in Pecol di Zolto Alto, entgegen.
Die Campingplätze in den Dolomiten sind in der Vorsaison nur
spärlich besucht, so auch dieser, und so haben wir den Platz
fast für uns allein.
Das Dorf Pecol (wie viele andere Skirummeldörfer auch) ist im
Sommer fast ausgestorben, viele Hotels sind vernagelt und fast alle
Restaurants geschlossen, bis auf die Pizzeria gegenüber der Campingplatzzufahrt,
und die ist auch noch gut und günstig.
Samstag,
22.Juni
Ein
traumhaftes Wetter erwartet uns und so machen wir uns nach dem Frühstück
in der (einzigen) Bar in Pecol auf zur Pässerundtour, angefangen
mit dem Staulanza direkt vor der Haustür, dann rechts über
den Passo di Giau, einer der schönsten und höchsten Dolomitenpässe
mit einer gigantischen Aussicht und dann in Pocol links zum Passo
di Falzarego. Da wir das Jahr zuvor schon die Sella-Gruppe zur Genüge
umfahren hatten, sparen wir uns den Passo Pordoi und fahren den
Passo di Fedaia am Marmolada-Massiv entlang. Am Stausee legen wir
erst einmal eine Pause mit einer grossen Apfelschorle vor einer
Bar ein. Hier gibt es das Getränk noch, weiter südlich
in Italien ist Apfelsaft (succo di mele) ein Fremdwort.
In Canazei links und in Moeno wieder links zum Passo di S.Pellegrino.
Hier oben auf dem Pass soll die Quelle für das berühmte
Mineralwasser sprudeln. Dann wieder rechts über den Passo di
Valles und links auf die N50 zum Passo di Rolle. Obwohl die N50
eine Hauptverbindungsstrasse ist, ist doch sehr schmal mit unzähligen
Kehren. In Fiera links über den Passo di Cereda, Argordo und
dem Passo Duran zurück zum Zoldo Alto-Tal.
Sonntag,
23.Juni
Heute geht's weiter gen Süden, aber nicht auf direkten Weg, sondern
weiter durch die Dolomiten und über den Monte Grappa. Von diesem
Berg haben uns schon viele Motorradfahrer vorgeschwärmt und so
wollen wir uns davon selbst überzeugen. Also grobe Richtung Belluno
und Feltre. Hinter Feltre ist der Monte Grappa schon gut ausgeschildert.
Die Auffahrt auf der einspurigen Strasse ist recht nett, reisst aber
nicht zu Begeisterungsstürmen hin.

Monte
Grappa |
Der Gipfel
mit dem monströsen Kriegsdenkmal ist ein Ausflugsziel der Italiener,
deshalb ist hier Sonntags auch der Teufel los. Im ersten Weltkrieg
haben sich hier Österreicher und Italiener bekämpft, mit
dem Ergebnis, dass man die Tausende von Toten nicht ohne Seuchengefahr
hätte abtransportieren können, und so hat man sich darauf
geeinigt, die Gefallenen an Ort und Stelle zu begraben und später
ist dann zum Gedenken ein riesiges Denkmal errichtet worden.
Bei der Abfahrt vom Gipfel macht uns immer mehr die zunehmende Hitze
zu schaffen, die in Richtung Verona über 40 Grad erreicht.
Das Tagesziel für Heute heisst Lazise am Gardasee. Bei der
Hitze sparen wir uns alle Umwege und wollen nur schnell ankommen
und ins Wasser. In Lazise gibt es einen der wenigen Campingplätze
am Ostufer, die auch Motorradfahrer aufnehmen (Camping du Parc).
Aber auch hier gibt es Einschränkungen, denn wir dürfen
nur im oberen Teil des Platzes (der mit wenig Schatten) unsere Zelte
aufbauen. Erfreulicherweise wird uns das aber erst mitgeteilt, als
wir uns schon einen schönen Platz auf dem anderen Teil des
Geländes ausgesucht haben, und vollkommen fertig wieder an
der Rezeption ankommen. Inzwischen sind noch andere Motorradfahrer
eingetroffen, die auf den anderen Campingplätzen abgewiesen
worden sind. Wenigstens diese Erfahrung ist uns Dank des DCC-Campingführers
erspart geblieben. Eigentlich wollten wir hier noch einen weiteren
Tag ausspannen, aber auch in der Nacht fällt das Thermometer
nur wenig und so entfliehen wir am nächsten Tag der Hitze.
Lazise selber ist eine schöne Stadt mit unzähligen Restaurants
und Cafes, in der man am Abend herrlich flanieren kann. Erstaunlich
ist dabei das recht niedrige Preisniveau für eine derartige
Touristenfalle.
Montag,
24.Juni
Frühstück sparen wir uns heute, denn das Thermometer klettert
schon wieder gnadenlos. Schnell Richtung Autobahn und die Po-Ebene
hinter uns bringen. Unterwegs verliert Jörg noch seinen Autobahnschnipsel
und bei der Ausfahrt in Modena kostet es einige Überzeugungsarbeit
an der Kasse, dass wir zusammen fahren und daher auch die gleiche
Strecke gefahren sind.
Das heutige Ziel heisst Moneglia an der ligurischen Küste, gleich
neben der Cinque Terre, und die Strecke Modena - La Spezia wollen
wir auf kleinen Strassen durch die Appennien befahren. In Maranello
direkt an der Edelschmiede vorbei, aber in Sassuolo ist die Beschilderung
derart mies, dass ich den richtigen Einstieg in die Berge verpasse
und wir uns zwar auf einer wunderschönen Strecke befinden, aber
überhaupt nicht mehr wissen, wo wir sind. Irgendwann nach zahllosen
Orten und wachsender Ungewissheit, ob wir überhaupt noch in die
richtige Richtung fahren, taucht dann doch wieder ein auf der Karte
verzeichneter Ort auf (so verkehrt sind wir dann doch nicht) und so
geht´s weiter über den Passo di Ceretto nach Aulla. Von
hier nehmen wir die restlichen Kilometer bis Deiva Marina auf der
Autobahn und von dort führt ein abenteuerlicher Tunnel direkt
an der Küste nach Mognelia. Der Tunnel ist einspurig und über
Ampeln geregelt und ausserdem völlig dunkel. Wenn man vom hellen
Sonnenschein in dieses Loch fährt, überkommen einen schon
klaustrophobische Anwandlungen.
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In Mognelia suchen
wir erst einmal den Campingplatz. In dem Campingführer heisst
es, dass dieser zwischen zwei Tunneln liegen soll, also wieder in
den nächsten und übernächsten Tunnel rein, passt alles
nach der Beschreibung, nur kein Campingplatz. Und wenn man meint,
man ist schon zu weit, dann taucht plötzlich ein Loch in der
Tunnelwand auf und man ist mitten auf dem Platz - völlig abgefahren!
Das gilt auch für den Platz, denn aus Platzmangel an der Steilküste
hat man schmale Wege an den Berg aufgeschüttet, wo unten am Wasser
die Camper und weiter oben Zelte stehen. Ausserdem sind überall
kleine Ferienhütten an den Berg "geklebt". Heute Abend
wird nur noch das Zelt aufgebaut, im Meer schwimmen (traumhaft!!)
und in der platzeigenen Pizzeria der Tag beendet. Dienstag,
25.Juni
Der heutige
Tag bleibt dem Ausspannen vorbehalten, dazu gehört auch der
Fussmarsch am Ufer zur Stadt. Einen anderen Weg gibt es nicht, durch
den Tunnel wäre lebensgefährlich - ist auch verboten.
Moneglia hat eine sehr schöne Innenstadt und eine schöne
Palmenpromenade, an der es sich einige Zeit prima aushalten lässt.
Der Rest des Tages geht mit Schwimmen und Faulenzen drauf und am
Abend noch einmal den gleichen Weg in die Stadt zum Fisch-Schlemmermenue
im Restaurant "Cave" - sehr zu empfehlen. Für den
Rückweg sollte man eine Taschenlampe mitnehmen, sonst hat man
an dem Steinufer ein echtes Problem.
Mittwoch, 26.Juni
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Monterosso
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Der
Bereich "Cinque Terre" (fünf Erden oder auch Länder)
hat den Namen von fünf Dörfern entlang der Küste
und diesen wollen wir heute einen Besuch abstatten, angefangen mit
Monterosso. Die Motorräder
müssen, wie bei allen anderen auch, vor dem Dorf stehen bleiben.
Monterosso ist recht nett, nur wird die "Skyline" durch
die Eisenbahn gestört. Diese ist allerdings sehr wichtig für
die hier lebenden Menschen, denn die teilweise abenteuerlich schmalen
Strässchen lassen keine grossen Warenbewegungen zu und ausserdem
ist die Fahrt ins nächste Dorf oder Stadt durch die Berge fürs
uns zwar toll, aber für die Anwohner sehr nervig.
Dorf Nummer
zwei ist Vernazza.
Hier müssen die Fahrzeuge schon ca. 1km vorher stehen bleiben,
dafür kann man aber mit einem Minibus ins Zentrum fahren. Weil
es ja bergab geht, wählen wir die Methode per piedi durch schöne
Landschaft. Vernazza zählt zu den schönsten Dörfern
in der Cinque Terre und dem muss ich bedingungslos zustimmen. Auffallend
hier sind die vielen Amerikaner, wahrscheinlich zählt Vernazza
zu dem "See Europe in four days"-Programm, dementsprechend
sind hier leider auch die Preise.
Corniglia
hat als einziges von den Fünfen keinen direkten Meerzugang
und liegt auf einer Felsnase. Gegen ein kleines Entgeld von 50 Cent
darf man auch mit dem Motorrad ins Zentrum fahren. Mir hat das Dorf
mit den engen Gassen und der grandiosen Aussicht am Besten gefallen,
vielleicht auch, weil sich hier der Tourirummel sehr in Grenzen
hält.

Manarola
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In Manarola
müssen die Fahrzeuge auch weit oberhalb des Zentrums stehen
bleiben, hier gibt es allerdings keinen Minibus und so sehen wir
von einer vollständigen Besichtigung ab, da man ja die gleiche
Strecke auch wieder hochlaufen müsste, und das bei der Hitze.
In Riomaggiore
treffen wir wieder auf etwas mehr Rummel. Mit den hohen Häusern
an den steilen Hängen ist es auch das am meisten auf Öl
festgehaltenste Dorfbild. Zudem verläuft hier der berühmte
Wanderweg "Via dell´Amore" direkt an und in der
Steilküste.
Nach einer
langen Pause in dem Ort geht´s dann wieder zurück durch
die Berge zum Campingplatz. Am Abend treffen wir in der Pizzeria
auf dem Platz noch andere Motorradfahrer aus allen möglichen
Nationen. An diesem feuchtfröhlichen Abend stellen wir die
Geduld des Pizzeriabesitzers auf eine harte Probe...
Donnerstag, 27.Juni
Eigentlich hatten
wir uns am Vortag überlegt, heute eine Schiffstour entlang
der Küste bis La Spezia zu machen, aber die heutigen Temperaturen
schon am Vormittag sprechen dagegen, und da lockt das Wasser. Vorher
noch in der Stadt ein paar Einkäufe tätigen, diverse Cappucini
trinken und des Rest des Tages am und im Wasser verbringen. Dazu
sind auch noch die Wellen höher als sonst, naja, vorher waren
eigentlich keine.
Am Abend kämpfen wir uns wieder durch das Fischmenü im
"Cave" und haben Mühe mit dem Heimweg zum Campingplatz,
denn inzwischen haben die Wellen richtige Ausmasse angenommen. Irgendwo
auf dem Meer tobt sich wohl ein Gewitter aus.
Freitag, 28.Juni
Heute beginnt
der Tag wunderbar klar mit angenehmen Temperaturen, und so beschliessen
wir, das Hinterland zu erkunden. Die Karte auf den Tankrucksack
klemmen, auf das Grün an der Tunneleinfahrt warten und los
geht´s. Nur die kleinen gelben Strassen auf der Karte kommen
in Frage und so tauchen wir in eine wunderschöne, grüne
Landschaft mit zahlreichen kleinen Dörfern ein. Es kommt einem
kaum ein Auto entgegen, und wenn man nach dem Weg fragen muss (kommt
relativ häufig vor, denn die Beschilderung in den Orten ist
ziemlich mies, wenn es überhaupt eine gibt), wird meistens
daraus eine längere Pause.
Abends dann wieder das bekannte Programm im Restaurant. Bemerkenswert
ist, dass der Abend für die Italiener erst um 10 Uhr beginnt.
Während die Promenade um acht noch fast ausgestorben ist, tobt
um diese Zeit dort das Leben, auch für die Kinder.
Samstag,
29.Juni
Tag der Abreise. Ziel ist wieder eine Zwischenstation am Gardasee.
Die ursprünglich geplante Strecke durch die Berge müssen
wir wegen der schlagartig schlechter werdenden Wetterlage aufgeben
und klinken uns auf der Autobahn ein, um dem Regen zu entkommen.
In der Po-Ebene kehrt der Sonnenschein zurück und so erreichen
wir den Campingplatz Fornella in San Felice schneller als geplant.
In aller Ruhe bauen wir die Zelte auf und geniessen den Rest des
Tages am Wasser und Abends im Restaurant auf dem Platz.
Sonntag,
30.Juni
Die Heimreise steht an. 1200 Kilometer auf Autobahnen sind nicht
gerade prickelnde Aussichten, aber wir wollen heute noch ankommen.
Just in dem Moment, wo ich an der Kasse der Mautstelle stehe, stellt
der Kassierer ein Schild ins Fenster: STREIK! Auch nicht schlecht,
was freuen sich wohl die Leute, die ganz von Sizilien hochgefahren
sind.
Ansonsten verläuft die Rückfahrt recht gut, sogar das
Wetter spielt mit und gegen acht Uhr trudeln wir wieder in der Heimat
ein. |