Italientour 2002
 
Dolomiten / Cinque Terre
 

Donnerstag, 20.Juni
Um 7.00 Uhr Morgens geht's los. Jörg mit seiner Ducati Monster und ich mit der Guzzi T5. Noch scheint die Sonne, doch schon 50km weiter in Bielefeld schrappen wir haarscharf an einer pechschwarzen Gewitterwand vorbei, die uns auch noch bis weit hinter Paderborn verfolgt. Das Tagesziel heisst Chieming am Chiemsee als erster Zwischenstopp. In Bayern wird das Wetter immer besser und bei einem Stau vor Erlangen beschliessen wir, die Autobahn zu verlassen und den Rest der Strecke auf Landstrassen zu bewältigen. Da ich vor Jahren schon mal eine Tour über Land zum Chiemsee ausgearbeitet hatte, kommt das also nicht ungelegen und so geht es auf diversen Kreis- und Landstrassen durch (auch durch´s Altmühltal) Richtung Chieming. Auf dem Zeltplatz angekommen, braut sich auch schon das nächste Unwetter aus Richtung Osten zusammen, also fix das Zelt aufbauen. Der Platzwart dämpft unsere Eile, wir können uns ruhig Zeit lassen, das Gewitter wäre jeden Abend da, käme aber nie bis zum See. Recht hat er! Ist schon merkwürdig, Abends mit Donner und Blitz im Biergarten zu sitzen. Die anderen Gäste stört´s nicht und so ignorieren wir auch das Naturschauspiel.

Freitag, 21.Juni

Strahlend blauer Himmel, vom Gewitter keine Spur mehr. Wir packen schnell das Zelt zusammen und arbeiten uns dann beim Unterwirt in Chieming durch das Frühstücksbuffet. Mit dieser guten Grundlage geht es dann weiter über Reit im Winkel, Lofer, Saalfelden, und Zell am See zum Gross Glockner.

Gross-Glockner
Gross-Glockner
Gross-Glockner
Mit 17 Euro kein ganz billiges Vergnügen, aber da das Wetter einfach traumhaft ist und ich noch nie dort oben gewesen bin, gönnt man sich den Spass halt. Die Aussichten und die Strecke sind nicht schlecht, aber es gibt in den Alpen vergleichbare Pässe für nothing (ich weiss schon, warum ich immer nach Italien fahre...). Während der Abfahrt beschliessen wir, eine Pause an einer (normalen) Pommesbude einzulegen - die teuerste Pause auf der ganzen Tour. Entweder verdienen die Österreicher Unmengen von Geld oder sie verweigern sich den Luxus einer Currywurst. In Lienz gibt es dann die einzige Dusche auf der ganzen Tour in Form eines Gewitters über den Lienzer Dolomiten, in Candido hinter der Grenze ist aber schon alles wieder vorbei. Von hier geht's links ab Richtung Sesto (Sexten) und am Kreuzbergpass verlassen wir den deutschsprachigen Teil Italiens.
Hinter dem Zolvo-Pass in Auronzo bei einer Cappuccino-Pause fallen uns die vielen gnadenlos frisierten Kleinwagen auf, teilweise sogar mit Slicks und Lachgaseinspritzung. Grund ist eine kleine Bergralley über den Zolvo-Pass am Samstag. Da wird auch schon mal mal am Freitag Abend der Wagen ausprobiert - unter den wohlwollenden Augen der Gesetzeshüter. Weiter über Pieve di Cadore, den Passo di Cibiana und Forno fahren wir unserem Tagesziel, dem Campingplatz Civetta in Pecol di Zolto Alto, entgegen. Die Campingplätze in den Dolomiten sind in der Vorsaison nur spärlich besucht, so auch dieser, und so haben wir den Platz fast für uns allein.
Das Dorf Pecol (wie viele andere Skirummeldörfer auch) ist im Sommer fast ausgestorben, viele Hotels sind vernagelt und fast alle Restaurants geschlossen, bis auf die Pizzeria gegenüber der Campingplatzzufahrt, und die ist auch noch gut und günstig.



Samstag, 22.Juni
Passo Giau Passo di Falzarego
Passo di Fedáia Passo di Fedáia
Passo di Rolle Passo di Rolle

Ein traumhaftes Wetter erwartet uns und so machen wir uns nach dem Frühstück in der (einzigen) Bar in Pecol auf zur Pässerundtour, angefangen mit dem Staulanza direkt vor der Haustür, dann rechts über den Passo di Giau, einer der schönsten und höchsten Dolomitenpässe mit einer gigantischen Aussicht und dann in Pocol links zum Passo di Falzarego. Da wir das Jahr zuvor schon die Sella-Gruppe zur Genüge umfahren hatten, sparen wir uns den Passo Pordoi und fahren den Passo di Fedaia am Marmolada-Massiv entlang. Am Stausee legen wir erst einmal eine Pause mit einer grossen Apfelschorle vor einer Bar ein. Hier gibt es das Getränk noch, weiter südlich in Italien ist Apfelsaft (succo di mele) ein Fremdwort.
In Canazei links und in Moeno wieder links zum Passo di S.Pellegrino. Hier oben auf dem Pass soll die Quelle für das berühmte Mineralwasser sprudeln. Dann wieder rechts über den Passo di Valles und links auf die N50 zum Passo di Rolle. Obwohl die N50 eine Hauptverbindungsstrasse ist, ist doch sehr schmal mit unzähligen Kehren. In Fiera links über den Passo di Cereda, Argordo und dem Passo Duran zurück zum Zoldo Alto-Tal.

Sonntag, 23.Juni
Heute geht's weiter gen Süden, aber nicht auf direkten Weg, sondern weiter durch die Dolomiten und über den Monte Grappa. Von diesem Berg haben uns schon viele Motorradfahrer vorgeschwärmt und so wollen wir uns davon selbst überzeugen. Also grobe Richtung Belluno und Feltre. Hinter Feltre ist der Monte Grappa schon gut ausgeschildert. Die Auffahrt auf der einspurigen Strasse ist recht nett, reisst aber nicht zu Begeisterungsstürmen hin.

Monte Grappa

Der Gipfel mit dem monströsen Kriegsdenkmal ist ein Ausflugsziel der Italiener, deshalb ist hier Sonntags auch der Teufel los. Im ersten Weltkrieg haben sich hier Österreicher und Italiener bekämpft, mit dem Ergebnis, dass man die Tausende von Toten nicht ohne Seuchengefahr hätte abtransportieren können, und so hat man sich darauf geeinigt, die Gefallenen an Ort und Stelle zu begraben und später ist dann zum Gedenken ein riesiges Denkmal errichtet worden.
Bei der Abfahrt vom Gipfel macht uns immer mehr die zunehmende Hitze zu schaffen, die in Richtung Verona über 40 Grad erreicht. Das Tagesziel für Heute heisst Lazise am Gardasee. Bei der Hitze sparen wir uns alle Umwege und wollen nur schnell ankommen und ins Wasser. In Lazise gibt es einen der wenigen Campingplätze am Ostufer, die auch Motorradfahrer aufnehmen (Camping du Parc). Aber auch hier gibt es Einschränkungen, denn wir dürfen nur im oberen Teil des Platzes (der mit wenig Schatten) unsere Zelte aufbauen. Erfreulicherweise wird uns das aber erst mitgeteilt, als wir uns schon einen schönen Platz auf dem anderen Teil des Geländes ausgesucht haben, und vollkommen fertig wieder an der Rezeption ankommen. Inzwischen sind noch andere Motorradfahrer eingetroffen, die auf den anderen Campingplätzen abgewiesen worden sind. Wenigstens diese Erfahrung ist uns Dank des DCC-Campingführers erspart geblieben. Eigentlich wollten wir hier noch einen weiteren Tag ausspannen, aber auch in der Nacht fällt das Thermometer nur wenig und so entfliehen wir am nächsten Tag der Hitze.
Lazise selber ist eine schöne Stadt mit unzähligen Restaurants und Cafes, in der man am Abend herrlich flanieren kann. Erstaunlich ist dabei das recht niedrige Preisniveau für eine derartige Touristenfalle.

Montag, 24.Juni
Frühstück sparen wir uns heute, denn das Thermometer klettert schon wieder gnadenlos. Schnell Richtung Autobahn und die Po-Ebene hinter uns bringen. Unterwegs verliert Jörg noch seinen Autobahnschnipsel und bei der Ausfahrt in Modena kostet es einige Überzeugungsarbeit an der Kasse, dass wir zusammen fahren und daher auch die gleiche Strecke gefahren sind.
Das heutige Ziel heisst Moneglia an der ligurischen Küste, gleich neben der Cinque Terre, und die Strecke Modena - La Spezia wollen wir auf kleinen Strassen durch die Appennien befahren. In Maranello direkt an der Edelschmiede vorbei, aber in Sassuolo ist die Beschilderung derart mies, dass ich den richtigen Einstieg in die Berge verpasse und wir uns zwar auf einer wunderschönen Strecke befinden, aber überhaupt nicht mehr wissen, wo wir sind. Irgendwann nach zahllosen Orten und wachsender Ungewissheit, ob wir überhaupt noch in die richtige Richtung fahren, taucht dann doch wieder ein auf der Karte verzeichneter Ort auf (so verkehrt sind wir dann doch nicht) und so geht´s weiter über den Passo di Ceretto nach Aulla. Von hier nehmen wir die restlichen Kilometer bis Deiva Marina auf der Autobahn und von dort führt ein abenteuerlicher Tunnel direkt an der Küste nach Mognelia. Der Tunnel ist einspurig und über Ampeln geregelt und ausserdem völlig dunkel. Wenn man vom hellen Sonnenschein in dieses Loch fährt, überkommen einen schon klaustrophobische Anwandlungen.
In Mognelia suchen wir erst einmal den Campingplatz. In dem Campingführer heisst es, dass dieser zwischen zwei Tunneln liegen soll, also wieder in den nächsten und übernächsten Tunnel rein, passt alles nach der Beschreibung, nur kein Campingplatz. Und wenn man meint, man ist schon zu weit, dann taucht plötzlich ein Loch in der Tunnelwand auf und man ist mitten auf dem Platz - völlig abgefahren! Das gilt auch für den Platz, denn aus Platzmangel an der Steilküste hat man schmale Wege an den Berg aufgeschüttet, wo unten am Wasser die Camper und weiter oben Zelte stehen. Ausserdem sind überall kleine Ferienhütten an den Berg "geklebt". Heute Abend wird nur noch das Zelt aufgebaut, im Meer schwimmen (traumhaft!!) und in der platzeigenen Pizzeria der Tag beendet.

Dienstag, 25.Juni

Der heutige Tag bleibt dem Ausspannen vorbehalten, dazu gehört auch der Fussmarsch am Ufer zur Stadt. Einen anderen Weg gibt es nicht, durch den Tunnel wäre lebensgefährlich - ist auch verboten. Moneglia hat eine sehr schöne Innenstadt und eine schöne Palmenpromenade, an der es sich einige Zeit prima aushalten lässt. Der Rest des Tages geht mit Schwimmen und Faulenzen drauf und am Abend noch einmal den gleichen Weg in die Stadt zum Fisch-Schlemmermenue im Restaurant "Cave" - sehr zu empfehlen. Für den Rückweg sollte man eine Taschenlampe mitnehmen, sonst hat man an dem Steinufer ein echtes Problem.

Mittwoch, 26.Juni

Monterosso
Monterosso
Monterosso

Der Bereich "Cinque Terre" (fünf Erden oder auch Länder) hat den Namen von fünf Dörfern entlang der Küste und diesen wollen wir heute einen Besuch abstatten, angefangen mit Monterosso. Die Motorräder müssen, wie bei allen anderen auch, vor dem Dorf stehen bleiben. Monterosso ist recht nett, nur wird die "Skyline" durch die Eisenbahn gestört. Diese ist allerdings sehr wichtig für die hier lebenden Menschen, denn die teilweise abenteuerlich schmalen Strässchen lassen keine grossen Warenbewegungen zu und ausserdem ist die Fahrt ins nächste Dorf oder Stadt durch die Berge fürs uns zwar toll, aber für die Anwohner sehr nervig.

Vernazza Vernazza
Vernazza
Vernazza

Dorf Nummer zwei ist Vernazza. Hier müssen die Fahrzeuge schon ca. 1km vorher stehen bleiben, dafür kann man aber mit einem Minibus ins Zentrum fahren. Weil es ja bergab geht, wählen wir die Methode per piedi durch schöne Landschaft. Vernazza zählt zu den schönsten Dörfern in der Cinque Terre und dem muss ich bedingungslos zustimmen. Auffallend hier sind die vielen Amerikaner, wahrscheinlich zählt Vernazza zu dem "See Europe in four days"-Programm, dementsprechend sind hier leider auch die Preise.







Corniglia Corniglia
Corniglia Corniglia
Corniglia

Corniglia hat als einziges von den Fünfen keinen direkten Meerzugang und liegt auf einer Felsnase. Gegen ein kleines Entgeld von 50 Cent darf man auch mit dem Motorrad ins Zentrum fahren. Mir hat das Dorf mit den engen Gassen und der grandiosen Aussicht am Besten gefallen, vielleicht auch, weil sich hier der Tourirummel sehr in Grenzen hält.





Manarola

In Manarola müssen die Fahrzeuge auch weit oberhalb des Zentrums stehen bleiben, hier gibt es allerdings keinen Minibus und so sehen wir von einer vollständigen Besichtigung ab, da man ja die gleiche Strecke auch wieder hochlaufen müsste, und das bei der Hitze.


Riomaggiore Riomaggiore
Riomaggiore Riomaggiore
Riomaggiore

In Riomaggiore treffen wir wieder auf etwas mehr Rummel. Mit den hohen Häusern an den steilen Hängen ist es auch das am meisten auf Öl festgehaltenste Dorfbild. Zudem verläuft hier der berühmte Wanderweg "Via dell´Amore" direkt an und in der Steilküste.
Nach einer langen Pause in dem Ort geht´s dann wieder zurück durch die Berge zum Campingplatz. Am Abend treffen wir in der Pizzeria auf dem Platz noch andere Motorradfahrer aus allen möglichen Nationen. An diesem feuchtfröhlichen Abend stellen wir die Geduld des Pizzeriabesitzers auf eine harte Probe...


Donnerstag, 27.Juni

Eigentlich hatten wir uns am Vortag überlegt, heute eine Schiffstour entlang der Küste bis La Spezia zu machen, aber die heutigen Temperaturen schon am Vormittag sprechen dagegen, und da lockt das Wasser. Vorher noch in der Stadt ein paar Einkäufe tätigen, diverse Cappucini trinken und des Rest des Tages am und im Wasser verbringen. Dazu sind auch noch die Wellen höher als sonst, naja, vorher waren eigentlich keine.
Am Abend kämpfen wir uns wieder durch das Fischmenü im "Cave" und haben Mühe mit dem Heimweg zum Campingplatz, denn inzwischen haben die Wellen richtige Ausmasse angenommen. Irgendwo auf dem Meer tobt sich wohl ein Gewitter aus.




Freitag, 28.Juni

Heute beginnt der Tag wunderbar klar mit angenehmen Temperaturen, und so beschliessen wir, das Hinterland zu erkunden. Die Karte auf den Tankrucksack klemmen, auf das Grün an der Tunneleinfahrt warten und los geht´s. Nur die kleinen gelben Strassen auf der Karte kommen in Frage und so tauchen wir in eine wunderschöne, grüne Landschaft mit zahlreichen kleinen Dörfern ein. Es kommt einem kaum ein Auto entgegen, und wenn man nach dem Weg fragen muss (kommt relativ häufig vor, denn die Beschilderung in den Orten ist ziemlich mies, wenn es überhaupt eine gibt), wird meistens daraus eine längere Pause.
Abends dann wieder das bekannte Programm im Restaurant. Bemerkenswert ist, dass der Abend für die Italiener erst um 10 Uhr beginnt. Während die Promenade um acht noch fast ausgestorben ist, tobt um diese Zeit dort das Leben, auch für die Kinder.

Samstag, 29.Juni
Tag der Abreise. Ziel ist wieder eine Zwischenstation am Gardasee. Die ursprünglich geplante Strecke durch die Berge müssen wir wegen der schlagartig schlechter werdenden Wetterlage aufgeben und klinken uns auf der Autobahn ein, um dem Regen zu entkommen. In der Po-Ebene kehrt der Sonnenschein zurück und so erreichen wir den Campingplatz Fornella in San Felice schneller als geplant. In aller Ruhe bauen wir die Zelte auf und geniessen den Rest des Tages am Wasser und Abends im Restaurant auf dem Platz.

Sonntag, 30.Juni
Die Heimreise steht an. 1200 Kilometer auf Autobahnen sind nicht gerade prickelnde Aussichten, aber wir wollen heute noch ankommen. Just in dem Moment, wo ich an der Kasse der Mautstelle stehe, stellt der Kassierer ein Schild ins Fenster: STREIK! Auch nicht schlecht, was freuen sich wohl die Leute, die ganz von Sizilien hochgefahren sind.
Ansonsten verläuft die Rückfahrt recht gut, sogar das Wetter spielt mit und gegen acht Uhr trudeln wir wieder in der Heimat ein
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