Das Verzinnen -
eine Kunst der älteren Karrosseriebauer.
Seitdem es (guten) Spachtel gibt, gerät diese Art der Formgebung
immer weiter ins Abseits. Viele Oldtimerrestaurateure schwören
immer noch darauf und verzinnen alle Schweissnähte (obwohl ich
das für vollkommen falsch halte, aber das ist Ansichtssache).
Perfekte Verzinner (und dazu zähle ich mich bei weitem nicht)
erreichen mit dieser Methode eine perfekte, lakierfertige Oberfläche,
und so gehts:
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Die zu bearbeitende Oberfläche
muss vollkommen metallisch blank sein, entweder gestrahlt oder besser
noch geschliffen. Damit das Zinn eine feste Verbindung mit der Metalloberfläche
eingeht, braucht es ein Reaktions- oder auch Flussmittel.Dieses besteht
meistens aus einer Säure oder in Säure gelöstes Zinn,
welches auf das Blanke Metall gepinselt wird. Nach dem Trocknen wird
dann der Bereich mit dem Brenner erhitzt und so ensteht eine verzinnte
Fläche, die noch im heissen Zustand mit dem nassen Lappen abgewischt
werden muss, um das Flussmittel zu entfernen. Auf diese Weise entsteht
eine glänzende, verzinnte Oberfläche
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Auf diese wird dann das Karosseriezinn
aufgetragen, indem ein Ende der Zinnstange so lange erhitzt wird,
bis das Zinn wie weiche Schokolade auf die Fläche abgestreift
werden kann. Das sieht jetzt alles noch ein wenig merkwürdig
aus, aber jetzt kommt der Holzspachtel zum Einsatz. Die Fläche
wird jetzt wieder so lange erhitzt, dass das Zinn nur weich, aber
nicht flüssig wird. Normales Sanitärzinn würde sich
schlagartig verflüssigen und von der Reparaturstelle ablaufen.
Mit dem ölgetränkten Spachtel wird das
Zinn in die gewünschte Form gestrichen, immer unter Zugabe von
Hitze. Das erfordert ein wenig Fingerspitzengefühl, aber nach
einiger Zeit (und Zinn) klappt die Sache ganz gut. Zuletzt wird die
endgültige Form mit einem Zinnhobel ähnlich wie mit einer
Holzraspel zurechgeschruppt. Mit diesem Werkzeug lassen sich Rundungen
hervorragend wiederherstellen, weil sich die Raspel auf die gewünschte
Rundung einstellen lässt.
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Verbleiben kleine Dellen und Löcher auf der fertigen Oberfläche,
gibt es zwei Möglichkeiten:
entweder man bringt erneut Zinn auf, allerdings dann mit einem Minibrenner
(Gaslötkolben), denn der Grosse würde die fertige Form
ja wieder aufweichen, oder man macht hier mit 2K-Spachtel weiter.
Abschliessend noch die Frage: Worin liegt
eigentlich der Vorteil des Zinnens?
Wenn die Beule sich nicht ziehen lässt und der Spachtelauftrag
zu dick werden würde, und bei komplizierten Formen wie Falze,
Erhebungen und Kanten ist Zinn wesentlich stabiler als reiner Spachtel.
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Brenner
hier tut es ein einfacher Brenner aus dem Baumarkt. Die Flasche
muss beim Gebrauch aufrecht stehen!
- Karosseriezinn (40%)
Wichtig! Elektro- oder Sanitärzinn haben exakt definierte
Schmelzpunkte und lassen sich nicht verarbeiten!
- Holzspachtel aus Hartholz
notfalls selbst schnitzen, ca. 3cm breit mit einer leichten
Wölbung, dann in Öl tränken
- nasser Lappen
keine Ahnung, wo es den zu kaufen gibt.
- Zinnhobel
im Werkzeughandel oder Oldtimermarkt
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