Werkzeug
 
Bei der Auswahl des Werkzeugs kommt es natürlich darauf an, wie weit man ein Motorrad zerlegen oder wieder aufarbeiten will. Zerlegt man z.B. den Motor, ist oft ohne Spezialwerkzeug nichts zu machen. Aber auch bei der Gabel wird's manchmal schon schwierig. Gehen wir mal von einer kompletten Restauration aus. Gabelschlüsselsatz, Ringschlüsselsatz und ein gut bestückter Knarrenkasten sind selbstverständlich, ebenso diverse Schraubendreher und Zangen gehören dazu. Weitere unverzichtbare Sachen sind:
  Sicherungsringzangen, je zwei Grössen für Innen- und Aussenringe
 
Abzieher, die Grössen werden dann entschieden, wenn man sie braucht
   
Innenabzieher für Kugellager und Lagerschalen, die Grössen ebenso wie bei den Abziehern
 
Drehmomentschlüssel
 
Stabschleifer (Luft oder Elektro, ersteres ist jedoch besser)
 
Messuhr(en) +Magnethalter
 
Schieblehre
 
Bügelmessschrauben in verschiedenen Grössen
 
Standbohrmaschine
 
Doppelschleifer

Für den Motor braucht man neben firmenspezifischen Abziehern und Wellenblockieren, den sogenannten Spezialwerkzeugen, weitere nützliche Werkzeuge:

  • Kolbenringspanner, damit der Zylinder ohne artistische Aktionen mit Blechringen usw. wieder über den Kolben flutscht
  • Kolbenbolzenausdrücker, denn wenn die Bolzen richtig fest sitzen, sollte man nicht mit Hammer oder ähnlich brutalen Mitteln versuchen, die Dinger raus zu bekommen
  • Kolbenringzange

Jetzt kommen wir zu den etwas teureren Dingen, die aber leider nicht unverzichtbar sind. Dazu gehört zuerst einmal ein Kompressor. Modelltechnisch nach oben sind hier keine Grenzen gesetzt, Minimalanforderungen aber sind: 2 Zylinder, 400l Förderleistung und 50l-Kessel. In Baumärkten gibt es seit letzter Zeit recht brauchbare Angebote zwischen 400 u. 500€, besser ist jedoch ein gebrauchtes Profigerät, das ebenso in dieser Preisklasse liegt. Zu einem Kompressor gehören natürlich auch Wasserabscheider, Druckminderer und Öler (für den Stabschleifer). Solche Sachen lassen sich sehr günstig auf Oltimerteilemärkten (Veterama, Technorama usw.) besorgen. Weiteres nützliches Druckluftzubehör sind: Spiralschlauch, Luftpistole, Verlängerungsschläuche (man kann so prima die Terrasse sauberpusten).

Eine kleine Drehbank ist natürlich was ganz Feines! Erst wenn man so ein Teil hat, merkt man, wie unverzichtbar sie (geworden) ist. Mal eben eine Hülse, Bolzen, Bronzelager, Spezialwerkzeug usw. drehen - kein Problem, es kann sofort weitergehen. Das Drehen an sich für den Hausgebrauch ist gar nicht so schwer, die wichtigsten Grundregeln lässt man sich von einem Bekannten oder Arbeitskollegen zeigen und los geht's!
Nachdem man die ersten Teile versemmelt hat, wird's mit der Zeit immer besser. Es gibt auch kleine Bücher über dieses Thema. Ich habe mir seinerzeit eine sogenannte "Vielzweckmaschine" (genialer Name, kommt ja auch aus China) vom Baumarkt zugelegt und bin doch positiv überrascht, wie genau sie arbeitet. Also wer schon immer mal mit dem Gedanken gespielt hat, sich eine kleine Drehbank zuzulegen, kann bei einer solchen Maschine ruhig zugreifen. Ausgediente Profidrehbänke sind oft zu gross für die heimische Garage oder Keller und oft sind die Führungen derart ausgelutscht, dass kaum noch vernünftiges Arbeiten möglich ist. Nicht umsonst sind die Dinger ja ausgemustert worden. 
Drehstähle, mitlaufende Spitzen, Schneideisenhalter und anderes nützliches Zubehör bekommt man auch auf den schon erwähnten Märkten.
Ausgangsmaterialien zum Drehen bekommt man entweder beim Stahlhändler oder Schlosser seines Vertrauens oder, falls dieser keine Lust hat, solch Kleinmengen abzugeben, bei Firmen, die sich auf solche Probleme eingestellt haben (ebenfalls Ersatzteiladressenseite).

Ein Schutzgasschweissgerät ist für eine Motorradrestauration zwar nicht unbedingt nötig, aber in manchen Fällen doch recht hilfreich, z.B. Schutzblech, Halterungen und ähnliche Dinge reparieren. Auch hier werden oft recht günstig Gebrauchtgeräte angeboten (einfach mal in den gelben Seiten blättern).


 

Sehr hilfreich ist es, mal in das Innere des Motors zu hören. Die Schraubenziehermethode ist da oft nicht sehr aussagekräftig, deshalb gibt es dafür spezielle Stethoskope, mit denen man jedes Geräusch präzise erfassen kann. Nachteil ist dabei allerdings der hohe Preis für solche Geräte, aber mit wenigen Handgriffen läßt sich ein normales Stethoskop einfach umbauen. Das gezeigte habe ich bei EBAY für 4,-Euro erstanden.

An den Verschlußring habe ich eine runde Metallplatte mit 1mm Stärke aufgelötet, wobei in der Mitte ein Teilkreis mit 5mm Höhe stehenbleibt, in dem ein 5mm Gewinde geschnitten wird (ein Blech mit aufgelöteter Mutter tut es auch). In dieses Gewinde wird jetzt die 'Abhörstange' aus Alu eingeschraubt und schon kann man auf Abhörjagt gehen. (Statt löten kann man natürlich auch kleben)