Kunstharzauflösung
Schon Ende der Sechziger wurden immer mehr Motorräder mit einer sgn. "Blackbox" ausgerüstet. Oft steckte nur eine simple Zündung oder Regler dahinter. Später wurden daraus richtige komplexe Elektonikschaltungen, z.B. eine Kennfeldzündung. Geht so ein Ding dann mal kaputt, hilft oft nur ein teurer Ersatz - wenn es den dann überhaupt noch gibt. Obwohl es bei diesem Beispiel eines Morini-Reglers keine grossen Ersatzteilprobleme gibt und mein Regler auch noch einwandfrei funktioniert, reizte es mich, mal in so ein Ding hineinzuschauen.
Dazu muss man natürlich die Schaltung von der Vergussmasse befreien und eine Recherche im Internet zu diesem Thema führte mich auf eine Kirchenseite. Die hatten das Problem, dass die alten Bleifenster in früheren Jahren zur Konservierung mit Epoxydharz eingestrichen worden sind. Das half auch mehr als drei Jahrzehnte, nur jetzt blätterte der Schutz langsam ab. Für eine neue Versiegelung musste das alte Zeug vollständig ab und dazu benutzten sie eine 1:1 Mischung aus Dimethylsulfoxid (C2H5OS) und Aceton (C3H6O). Diese Lösung wurde mühevoll mit Pinseln auf die alte Harzschicht aufgetragen, die dann weich wurde und mit einem Lappen abgewischt werden konnte.
Das hier gezeigte Exemplar, das schon eine erfolglose Öffnung hinter sich hatte, stammt von Tony Kersbergen (Morini-Club Holland).
Sinnigerweise sollte man keinen Kunststoffbehälter verwenden, Chemiehandschuhe und Schutzbrille sind Plicht. Nach dem Versenken des Objektes in der Flüssigkeit muss man schon sehr viel Geduld haben, denn der Lösungsprozess kann mehrere Tage dauern. Je nach Kunstharzzusammensetzung sind auch die Reaktionen recht verschieden: der eine wird regelrecht matschig und kann mit einem Pinsel entfernt werden, der andere wird gummiartig, fast wie weiches Silikon und muss abgepult werden und ein Dritter sprengt sich selbstständig in dünnen Plättchen ab
(auf dem Bild sind die krümelige Oberfläche und die Reste im Glas zu erkennen).
Ein Nachteil ist, dass sich die Aussenhüllen der Anschlusskabel, Kondensatoren und manchen Widerständen auch auflösen. Die vollständige Freilegung dieser Schaltung dauerte drei Tage.

Danach gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man repariert die Schaltung (die Kondensatoren müssen nicht getauscht werden, es fehlt nur die 'Verpackung'), oder man verwendet sie als Vorlage zum Bau einer neuen Elektronik.


Die Chemikalien lassen sich in der Apotheke bestellen, ebenso auch wieder entsorgen. Wer Näheres über die chemischen Eigenschaften erfahren will, sollte sich diese Seite durchlesen.