Kabelbaum
 
Man hört und liest immer wieder, dass der 'Kupferwurm' große Probleme bereitet. Dabei ist es gar nicht so schwierig, die Ströme in den Griff zu bekommen. Bei diesen Bildern handeln es sich um den Kabelbaum einer 750 GT-Laverda.

Elektro-Überreste einer Laverda
Bei den traurigen Überresten des total verpfuschten originalen Kabelsalates stellte sich erst gar nicht die Frage: reparieren oder neu?
Ein Schaltplan ist natürlich Voraussetzung zur Neuanfertigung, die in diesem Fall von der Leitungsmenge so original wie möglich ausfallen sollte.

Zuerst markiert man alle Baugruppen (Lampe, Regler, Zündspulen usw.) auf der Kopie des Stromlaufplans farbig und lokalisiert deren Anbaupositionen an der Maschine. Dann werden mit einem Stück Kabel die Längen  zwischen den Knotenpunkten ermittelt, und zwar so, wie der Kabelbaum nachher verlaufen soll. Knotenpunkte sind die Stellen, wo Anschlüsse aus dem Baum, z.B. Regler und Zündspule
verzweigen. In diesem Beispiel verläuft der Hauptkabelbaum von der Lampe bis zum Sicherungshalter im Rahmendreieck. 
Die Längen zwischen diesen Knotenpunkten werden 1:1 auf eine Pappe übertragen und stellen gleichzeitig auch die Längen der Isolierschläuche dar, die insgesamt den Hauptkabelbaum bilden. Auch die Länge der Abzweigungen aus den Knotenpunkten zu den Baugruppen können so einfach ermittelt werden. (Dadurch lassen sich auch einfacher die Anzahl und die Längen der Kabel ermitteln, man braucht auf diese Art nicht jede einzelne Kabellänge ausmessen.) Jetzt werden auf dem Stromlaufplan die einzelnen Verbindungen abgehakt und auf das Pappmodel übertragen. Die Farben werden oft schon im Stromlaufplan vorgegeben, das ist zwar nicht zwingend, aber erleichtert den Anbau und eventuelle Fehlersuche ungemein. Beim Einziehen der Kabel in den Schlauch hilft ein wenig Talkumpuder und wenn sie absolut nicht durch den Schlauch gehen wollen, muss man alle Enden zusammenlöten und mit einem Zugdraht noch mal versuchen (oder größeren Schlauch nehmen).
Die Enden der Kabel kann man mit Klebeetiketten versehen, auf die man gleich die Anschlussnummern notiert.
Die Knotenpunkte werden zuletzt mit Schrumpfschlauch überzogen. Die Enden der Leitungen können entweder verzinnt oder mit Aderendhülsen versehen werden, was die Bruchgefahr verringert. An Lichtschaltern und Blinkerschaltern lässt sich das Verzinnen aber nicht vermeiden, Lötkolben ist also notwendig. Die Leitungsenden in Kabelschuhen und Rundsteckverbinder dürfen nicht verzinnt werden! Beim Zusammenbau verhindert ein wenig Polfett an den Steckverbindungen Oxidation und damit schlechte  Kontakte. Auch die Schalter, Sicherungshalter und Lampenfassungen sollte man mit Polfett behandeln.

Das Ausgangsmaterial wie Isolierschlauch in versch. Durchmessern, einzelne Leitungen in verschiedenen Farben, Steckverbindungen und Schrumpfschlauch gibt es bei gut sortierten Autozubehör, im Elektronikhandel (z.B. Conrad) oder, die günstigste Bezugsquelle, beim Autoverwerter. Der Kabelbaum aus einem Golf II lässt sich recht problemlos ausschlachten und man hat damit alle nötigen Leitungen und Isolierschläuche. Kabelschuhe und Rundsteckverbindungen sollte man allerdings nicht im Autozubehör kaufen, weil viel zu teuer, sondern auch beim Elektronikversand (Conrad oder Reichelt).