Bowdenzüge
 
Welche Gründe gibt es, Bowdenzüge auszutauschen? Klar, wenn sie gerissen sind, bleibt einem nichts anderes mehr übrig.
Und sonst?
Wenn sie sehr schwergängig sind, wenn die Außenhülle beschädigt ist und einfach nur für das sichere Gefühl.
Man könnte jetzt einfach fertig konfektionierte Züge kaufen, bei manchen Motorradtypen eine recht kostspielige Sache und bei einem Lenkertausch passen diese auch nicht mehr richtig.
Dabei ist das Doityourself-Verfahren gar nicht so schwer, man braucht dazu nur einen Lötkolben, Lötdraht und das Basismaterial - Züge und Außenhüllen.
Diese gibt es als Meterware beim Motorradzubehörhandel oder auf Oldtimermärkten. Die Außenhüllen werden zusätzlich auch noch mit Teflonbeschichtung angeboten, welche grundsätzlich vorzuziehen sind.
Die Innenzüge gibt es auch noch in VA, haben aber den Nachteil, daß sie nicht lötbar sind und lassen sich also nur verschrauben.
Nicht zu vergessen die diversen Nippel und Hülsen, die man vorher ausmessen sollte.
Ebenso wird die Länge des Zugs außerhalb der Außenhülle, sofern er nicht gerissen ist, ermittelt.
Das hier gezeigte Beispiel ist der Kupplungszug einer Guzzi. Das Ausgangsmaterial sind ein 2mm Innenzug und eine 7mm Außenhülle. Diese Kombination ist die meistverwendete für Bremsen-und Kupplungszüge.
Als erstes werden die Längen von der alten Außenhülle und des Innenzugs kopiert, letzterer wird etwa 1 bis 2cm länger als der alte Innenzug abgeschnitten.


Die End-oder Führungshülsen besonders bei Brems-und Kupplungszügen sind oft Spezialteile, die man sich (sofern die Möglichkeit besteht) selbst aus Messing oder VA neu dreht oder die alten wieder verwendet. Da diese Teile verpreßt sind, wird die neue Außenhülle nicht problemlos passen und deshalb muß die Öffnung aufgebohrt werden oder die Kunststoffhülle wird ein Stückchen entfernt.





Als nächstes wird ein Nippel angelötet. Dazu erst denselbigen aufschieben, das Ende des Zuges 'aufdröseln' und danach verzinnen. Jetzt wird der Zug mit Hilfe eines Schraubstocks und des Lötkolbens in den Nippel hineingezogen. Danach noch die Sache mit reichlich Lötdraht gut verzinnen und fertig.
Noch ein Wort zum Lötdraht: nur beste Qualität verwenden, d.h. Lötdraht mit 40% Flußmittelseele, auf keinen Fall diese merkwürdigen Proben, die bei den Lötkolben beiliegen (die bruzzeln und stinken nur).
Geeigneten Lötdraht bezieht man z.B. über Conrad oder Völkner.
Nun den Zug in die Außenhülle einführen und den anderen Nippel bis auf die vorher ausgemessene Länge aufgeschieben, den Zug vorsichtig im Schraubstock klemmen und (vorerst) verzinnen, denn jetzt wird der komplette Bowdenzug provisorisch eingebaut (dabei die Einstellschrauben auf fast minimale Länge einstellen) und die Länge kontrolliert, ansonsten die Position des Nippels korrigieren bis alles paßt. Danach wird das überstehende Zugstück bündig abgekniffen, den Nippel noch ein letztes Mal erhitzen, ein Stück nach vorn schieben, das Ende wieder aufdröseln und wie oben beschrieben endgültig verlöten.
Fertig ist der neue Bowdenzug!



Hat man kein Muster, z.B. beim Lenkerwechsel, wird die Länge der Außenhülle frei ermittelt und vor dem Verlöten des zweiten Nippels den Zug einbauen und die Läge des Innenzugs durch Anhalten zur Brems-bzw. Kupplungsgabel ungefähr ermitteln - danach wie gehabt...
Gaszüge unterscheiden sich in der Fertigung nur unwesentlich, nur daß die Endhülsen für die Außenzüge keine Spezialteile sind.
Wichtig bei der Kopie eines vorhandenen Bowdenzugs oder Musters ist nicht die Länge der Außenhülle, sondern die Länge des außerhalb liegenden Innenzugs.


Jetzt noch eine Abschlußbetrachtung: lohnt sich der ganze Aufwand?
Bei Guzzi sind komplette Züge derart günstig, daß die Anschaffung des ganzen Materials für einen Kupplung-oder Bremszug sicherlich nicht lohnt (es sei denn, man ärgert sich über die schnell gammelig werdenden Einstellschrauben und fertigt diese aus VA-Material nach). Bei mehreren Motorrädern sieht die Sache schon anders aus, und bei manchen japanischen oder englischen Klassikern sind die Preise derart abgehoben, daß einem fast nichts anderes übrig bleibt. Nicht zu vergessen die ganzen Typen, für die es überhaupt keine fertigen Züge mehr gibt...