Teil 3
 

 

Das Schwingenlager wurde zwar schon mal auf Nadellager umgerüstet, aber die Lagerbolzen des Umrüstsatzes waren zu groß und ließen sich nur mit Gewalt in die Lagerhülsen schieben, so daß die Nadellader schon unbrauchbar waren. Neue Lager (HK2538) sind zum Glück nicht teuer und nachdem die Bolzen auf das richtige Maß gelappt worden waren, ergab sich die Möglichkeit die Lager mit Wellendichtringen (25-32-5 von Simerit) vernünftig abzudichten

Die Anlasserteile wurden inzwischen lackiert und mit neuen Kohlen wieder zu einem funktionsfähigen Teil zusammengesetzt.
Zurück um Motor.
Von Harrie de Jonge in Holland besorgte ich mir einen neuen (gebrauchten) Zylinderkopf und drei neue GPM-Kolben im ersten Übermaß. Der Zylinderblock wurde von einem Fachbetrieb genau auf die Kolben aufgebohrt und gehohnt. Falls de Kolbenbolzen etwas zu fest sitzen - ein wenig Wärme mit einer Heißluftpistole wirkt Wunder.
Ein echtes Geduldsspiel ist allerdings das Aufsetzen des Zylinderblocks auf den Rumpf - mit nur einer Kolbenringzange. Zuerst den mittleren Kolben in OT-Stellung bringen und mit einem Holzstück gegen den Rumpf verkeilen und den Zylinderblock mit Hilfe der Zange aufsetzen.
Danach die KW so weit weiterdrehen, daß die äußeren Kolben vollständig den Rumpf verlassen haben, dabei aber aufpassen, daß der mittlere Kolben nicht wieder aus der Laufbahn herausrutscht. Einen der äußeren Kolben jetzt mit einer schmalen Leiste unten gegen das Gehäuse blockieren und mit Hilfe von zwei Zangen (aber wer hat die schon, ein selbst gebogener Blechstreifen für den zweiten Kolben tut's auch) den Block ganz draufschieben. Dabei nicht vergessen, die Gleitschiene der Steuerkette (dickes Ende oben) vorher einzusetzen.
Der Zylinderkopf wurde gestrahlt, die Ventile neu eingeschliffen und die Ventilschaftdichtungen erneuert, nur leider stellte sich heraus, daß mit den verfügbaren Einstellkappen kein Ventilspiel einstellbar war. Außerdem war der Kopf in sich verzogen - also Schrott! Von OCT habe ich dann erfahren, daß gerade diese Köpfe - ohne Gusskalotte mit Sitzringen direkt im Alu - die schlechtesten von Laverda waren. Der Zylinderkopf wurde von Harrie aber anstandslos umgetauscht, und so ist Christian jetzt im Besitz eines erstklassigen RGS-Kopfes (dieser hat Stahlkalotten mit zusätzlichlichen Sitzringen und außerdem sehr gutes Alumaterial). Auf ein Neues: wieder strahlen, Ventile einschleifen, neue Schaftdichtungen und Ventilspiel einstellen.
Dieses mache ich am nicht montierten Kopf, denn zum Ausmessen der Einstellkappen muß jedesmal die komplette Nockenwelle demontiert und wieder montiert werden und damit verbunden müssen alle Zylinderstehbolzen gelöst und wieder angezogen werden. Beim separaten Kopf müssen die Stehbolzen durch Gewindestangen ersetzt werden.
Der obere Teil der Befestigungbohrungen der Nockenwellenlagerböcke waren unter dem Anzugsmoment der Stehbolzen zerbröselt, und so habe ich die Auflage weggefräst und durch passende Abstandsringe ersetzt.

 

 

 

 

 


Ich hatte mir bei der Demontage mit einem Edding die Nockenwellenstellung markiert. Beim Zusammenbau nahm ich dann auch wieder diese Markierungen zu Hilfe, nur kamen mir die Steuerzeiten ein wenig merkwürdig vor (die Ventile hatten so gut wie keine Überschneidungszeit), auch die werksmäßigen Markierungen (Bild) lagen völlig daneben (der Vorbesitzer oder dessen Werkstatt hatte wohl einen schlechten Tag). Die Markierungen beider Nockenwellen müssen im OT der äußeren Zylinder nach oben zeigen (Bild). Leider ist diese Stellung nur unter voller Federkraft der Ventilfedern zu erreichen, d.h. bewegen und auch mit kleinen Hilfsmitteln arretieren lassen sich die Wellen am Besten mit einem Ringschlüssel an der Kettenradschraube. Arretieren deshalb, weil man beim Schließen der Kette beide Hände braucht. Damit die Kette nicht abrutscht, stopfe ich immer einen Lappen mit in den Kettenschacht. Falls die Kette doch mal abrauscht, ist das auch kein Problem. Durch das Loch der Kettenführung am Gehäuseboden läßt sie sich mit Hilfe eines Drahtes wieder nach oben fädeln. Die besagte Kettenführung sollte man sowieso nur ganz zuletzt wieder einsetzen.